DEUTSCHER BUCHPREIS 2018 – vorsichtiges Coming-out des Hauptsponsors

DEUTSCHER BUCHPREIS 2018 – vorsichtiges Coming-out des Hauptsponsors

Es ist immer wieder eine erhebende Veranstaltung und ein kulturelles Highlight, wenn im Vorlauf zur Frankfurter Buchmesse der Deutsche Buchpreis verliehen wird. Willkommener Anlass für die Damen und Herren der Presse, der Literatenschaft mal eben zu demonstrieren, wo der literarische Hammer wirklich hängt.

Federführend aufgrund ihrer Nähe zum Austragungsort ist dabei meistens die Frankfurter Rundschau (FR), die ihr kulturelles Insiderwissen über das vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2018 zum Sieger gekürten Werk «Archipel» von Inger-Maria Mahlke in einer unerwarteten Volte mit der hohen Kunst der Coiffeure verband: «Jurymitglied Paul Jandl und Shortlist-Autor Maxim Biller hatten am Rande dem etwas weltabgewandteren Teil des Publikums deutlich gemacht, dass nach dem gepflegten Vollbart jetzt auch der Oberlippenbart wieder im Kommen ist.»

MERKE: Kunst ist immer dann am meisten Kunst, wenn keiner mehr was versteht. Joseph Beuys war der erste, der dies checkte und in Form seines «erweiterten Kunstbegriffs» unter das Volk brachte.

Werden Bücher aus Milch hergestellt?

Die Preisträgerin Mahlke gab der FR Flankenschutz und liess zum allgemeinen Erstaunen der Fachwelt verlautbaren: «Ein Buch ist kein Joghurt.» – «Ein Buch», fuhr sie fort, «ist wirklich kein Joghurt.» Es solle allen klar sein, dass Kunst dem Menschen etwas geben könne, was ein Joghurt ihm nicht geben könne, auch wenn sich die Werbung bemühe, diesen Eindruck zu erwecken. Begeistert griff die FR den bei der Erwähnung von «Literatur» naheliegenden Hinweis auf die Molkereibranche auf und haute herzhaft in dieselbe Kerbe: «Es ist für eine Zeitungsredakteurin in diesen Tagen zunehmend schwierig, an dieser Stelle nicht dazwischenzurufen, dass eine Zeitung zwar keine Kunst ist, aber die Herstellung einer Zeitung gleichfalls nicht zu sehr in die Nähe der Herstellung eines Joghurts gerückt werden sollte.» Hier finden wir nun den ersten versteckten Hinweis darauf, dass der Deutsche Buchpreis einen neuen Sponsor gefunden hat, der aber vorerst noch etwas in Deckung bleiben möchte.

Es bleibt spannend

Verlassen wir nun die Joghurt- bzw. Buch- und Gazettenherstellung und wenden uns kompetenter Literaturkritik zu. Auch hier weiss die Frankfurter Rundschau, wo Frau Rauscher den Äppelwoi holt: «Unerwartet spannend – nicht nur sprachlich, auch auf der Handlungsebene – kann ein Buch sein, von dem man irgendwann begriffen hat, dass man nie erfahren wird, was als Nächstes kommt; außer, man hat es sich gemerkt.»

Das merken wir uns jetzt mal bis zur Verleihung des Deutschen Joghurtpreises 2019, bei dem dann hoffentlich nicht wieder so ein Quark herauskommt.

 

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