PORSCHE jetzt auch sprachlich auf der Überholspur

PORSCHE jetzt auch sprachlich auf der Überholspur

Galt bei Kennern und Verehrern der deutschen Syntax und Semantik bislang Mannheim, langjähriger Sitz der DUDEN-Redaktion, als Heimat des Deutschen, so müssen sich die dortigen Linguistik-Gralshüter langsam warm anziehen, denn die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG in Stuttgart-Zuffenhausen scheint derzeit auf bestem Wege, den DUDEN auf dem Gebiet der sprachlichen Finesse auszubremsen. Wie konnte das geschehen? Eine Kurzchronik des bisher Geschehenen.

Vor noch gar nicht langer Zeit kokettierte das «Ländle» bundesweit mit seiner neckisch zur Schau getragenen Sprachschwäche: «Baden-Württemberg: Wir können alles – ausser Hochdeutsch!» Dies wiederum scheint die Firma PORSCHE, Juwel unter den deutschen Automobilmarken, die derzeit mit ihren entfesselt brüllenden Kraftpaketen 911 GT3 RS in der «Grünen Hölle» des Nürburgrings und dem 919 Hybrid Evo auf dem legendären Circuit de Spa-Francorchamps in den Ardennen einen unglaublichen Rekord nach dem anderen aufstellt, nicht auf sich sitzen lassen zu wollen: Zuffenhausen entwickelt sich zunehmend zu einem Kompetenzzentrum der deutschen Sprache.

Siegertypen wie die Asphalt-Cowboys in der PORSCHE-Entwicklungsabteilung in Weissach lieben Begrenzungen ihrer Entfaltungsmöglichkeiten wie der Teufel das Weihwasser: Im Rennsport sind das beispielsweise Luftmengenrestriktionen, vorgeschriebene Ladedruckmaxima und ähnlicher Mist, im langweiligen Alltagsleben Schwachsinnsvorgaben bei Abgaswerten und Partikelausstoss. MERKE: Ein auf Performance getrimmtes Triebwerk will atmen; einem 100-Meter-Weltrekordläufer setzen Sie ja auch keine Gasmaske auf, oder?

Was PORSCHE derzeit massiv nervt, ist die Tatsache, dass ab dem 1. September 2018 für Neuwagen in Europa der Messzyklus Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure (WLTP) gilt und zudem eine neue Abgasnorm in Kraft tritt. Offensichtlich hat PORSCHE ziemliche Probleme, seine Neuwagen entsprechend auszurüsten und die Kunden «einfach» weiter damit zu beliefern.  Jetzt war der firmeneigene Newsroom gefordert, der beweisen musste, dass er Sprache genauso gut kaltverformen kann, wie die Ingenieure in der Entwicklungsabteilung den weltberühmten Flat-Six-Triebwerken solch unwiderstehliche Sirenengesänge antrainieren können, dass es Adrenalin-Junkies die Blutkörperchen senkrecht stellt.

Hier eine auszugsweise Gegenüberstellung Fakten vs. Ergebnisse des «PORSCHE-Sprachtunings (PS)»:

  • Fakt: Man kann derzeit keinen einzigen PORSCHE im Internet individuell konfigurieren und online bestellen – PS: «Trotzdem können Interessenten und Kunden sich hinsichtlich der Bestellung neuer Modelle jederzeit, also auch während des Umstellungszeitraums, an die Porsche-Zentren wenden.»

Heisst «sich wenden können» eventuell sogar «konfigurieren und bestellen dürfen»? Oder erfolgt im PORSCHE-Zentrum nur eine Art auffangender Seelsorge für suizidgefährdete Möchtegernbesteller, bis die volle Lieferbereitschaft wiederhergestellt sein wird?

  • Fakt: Auch ab September 2018 wird noch nicht die gesamte Modellpalette umgerüstet sein – PS: «Die Umstellung der Modellreihen priorisiert Porsche so, dass den Kunden ein möglichst attraktives Produktprogramm zur Verfügung steht.»
  • Kundenanfrage: «Wann kann ich bei Ihnen einen Porsche Panamera Turbo Sport Turismo bestellen, der den neuesten Abgasvorschriften entspricht?» – PS: «Im Zuge der Umstellung kommt es zu einer gestaffelten Einführung der Modellderivate. Noch im September wird der 911 4 GTS mit Allradantrieb und PDK von Anfang an in drei Karosserieformen verfügbar sein – als Coupé, Cabriolet und Targa. Gleichzeitig mit den 911 4 GTS-Derivaten wird die neue Technologie mit Ottopartikelfilter (OPF) beim 718 Basis und GTS und dann in den anderen Modellreihen eingeführt.»

Wie war doch gleich die Frage?

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Fazit: Einmal jährlich vergibt die Stadt Mannheim den Konrad-Duden-Preis für herausragende sprachliche Leistungen. Als Preisträges des Jahres 2018 schlagen wir die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG in Stuttgart-Zuffenhausen vor, die Bahnbrechendes in der Disziplin «Wir beantworten Fragen, die niemand gestellt hat» geleistet hat.

Jan Peters

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