Staat nimmt Fürsorgepflicht ernst – neue Bundesbehörde ab sofort aktiv

Staat nimmt Fürsorgepflicht ernst – neue Bundesbehörde ab sofort aktiv

Was niemand VOR der Corona-Plage für möglich gehalten hätte, jetzt ist es bittere Gewissheit geworden: Alles kann viel schneller vorbei sein, als wir uns dies eingestehen wollen! Leider betrifft dies auch unser Leben. Und damit wir uns bei dessen Führung nicht ständig vertun, dafür hat Vater Staat jetzt eigens ein innovatives Amt geschaffen, das uns zeigt, wo die Gefahren des Alltags lauern – nämlich überall!

Fussend auf den Erfahrungen aus der viralen Zwangslage, in der es sich offensichtlich bewährt hat, die Bevölkerung mit einem Dauerfeuer aus Nachrichten und Tatarenmeldungen wie aus Stalinorgeln einzudecken, will die Regierung jetzt einen weiteren Schritt machen und den vielfältigen Lebensrisiken mit einem neuen Amt entgegentreten, dessen volksdidaktisch sinnvolle Aufgabe darin besteht, die Allgemeinheit 24 Stunden täglich, sieben Mal die Woche, 365 Tage im Jahr auf Gefahren jedweder Art hinzuweisen, so dass beispielsweise Ricky Masorati mit dem Bleifuss nicht mehr scheinheilig behaupten kann, er habe sich nicht vorstellen können, dass es zu Kollateralschäden verschiedener Art führen könnte, wenn er seinen getunten GTI mit sportlichen 170 km/h um einen Brückenpfeiler wickelt.

Mens sana in corpore sano

Oder dass es der Gesundheit durchaus abträglich sein könnte, wenn jemand pro Tag 80 Overstolz ohne Filter quarzt und mit zwei Flaschen Doppelkorn nachspült. Es mag ja durchaus sein, dass dergleichen Gewohnheiten langjährig trainierten Berufstrinkern nichts anhaben können, weniger Robusten ist von einer solchen Lebensweise allerdings dringend abzuraten. Und genau hier wird das neue Bundesamt sein Betätigungsfeld finden und nachhaltig davor warnen, den Bogen zu überspannen. Wussten Sie in diesem Zusammenhang übrigens, dass der tägliche Alkoholbedarf eines Hartz-IV-Empfängers mit dem Konsum von 18 Taschenfläschchen Underberg bereits vollständig gedeckt ist, ohne dass noch zusätzlich mit Aquavit aufgestockt werden müsste?

Der Startschuss fällt

Am 5. Mai 2020 wurde das neu geschaffene «Bundesamt für Dauerverwarnungen en gros et en détail», wie es in schönstem Kanzleideutsch offiziell heisst, in einem feierlichen Akt der Öffentlichkeit vorgestellt. Staatssekretär Gaudenz Gschaftlhuber vom Innenministerium hatte es sich trotz seines überquellenden Terminkalenders nicht nehmen lassen, persönlich zur Pressekonferenz zu erscheinen – und aus allen Ecken des deutschen Vaterlandes waren sie gekommen: der wettergegerbte Torfkahnfahrer aus dem Teufelsmoor, der hörgeschädigte Flakhelfer aus dem Memelland, der wortkarge Vogelwart von der Insel Scharhörn, der verkarstete Geomorphologe aus dem Schneefernerhaus unterhalb der Zugspitze…, um nur die wichtigsten unserer Bevölkerungsgruppen namentlich zu erwähnen.

Lieber gesund als krank

Der aus dem Vogelsberg gebürtige Staatssekretär Gschaftlhuber begann seine Ausführungen mit einem komprimierten Rückblick auf die gerade auslaufende CORVID-19-Krise, indem er heiser bellte: «Es sieht bees aus!» Ein Raunen ging durchs Publikum, in dem man sich sofort emsig Notizen machte. Gschaftlhuber weiter: «Hätten wir noch VOR der Corona-Krise gesagt, dass Menschen NICHT davon ausgehen können, ununterbrochen topfit zu sein, sondern gesundheitsmässig auch mal mit Schmackes einen vor den Latz geballert kriegen können, man hätte uns wahrscheinlich ausgelacht.» Ein leichtes Murren bemächtigte sich des Publikums. Daraufhin wurde die Fragestunde eröffnet. Der für seine investigative Unerbittlichkeit berüchtigte Dr. Baldur Müller-Schotte, beim Elmshorner Marschboten zuständig für die Wartung der Dienstfahrräder, leitete den munteren Reigen ein, indem er Gschaftlhuber gnadenlos in die Zange nahm: «Herr Staatssekretär, was gedenkt die Regierung gegen die allgemeine HOBBIT-19-Verunsicherung in der Bevölkerung zu unternehmen?»

Ein harter Hund

So schnell liess sich der mit allen Wassern gewaschene Vollblutpolitiker das Griebenschmalz allerdings nicht vom Brot nehmen: «Welche Bevölkerung?» – «Die Sie gewählt hat.» – «Von DEN Bahnhofspennern wählt mich sicher keiner, ich bin Beamter auf Lebenszeit. Nächste Frage!» Franziska Meier von der Altöttinger Bistumspostille erhob sich mit schlotternden Knien und lispelte kaum hörbar: «Wovor werden Sie uns seitens des neuen Amtes speziell warnen, Herr Beamter auf Lebenszeit?» Diese dämliche Frage brachte Gschaftlhuber dermassen in Harnisch, dass er Fräulein Meier vor versammelter Mannschaft nach allen Regeln der Kunst zusammendonnerte: «Sollte ich wider Erwarten mal Interesse an der Meinung von euch niederbayerischen Himmelskomikern haben, dann werde ich euch das rechtzeitig wissen lassen, Jungfer!»

Wohlgeschmack bringt Bettelsack

Dann liess er die Korken knallen und eröffnete offiziell das kalte Büffet. Noch lange spekulierte man bei Speis und Trank angeregt darüber, wie sich die allgemeine Corona-Verunsicherung wohl entwickelt hätte, wenn man schon vorher das Bundesdauerverwarnungsamt gehabt hätte. Was die Bevölkerung mit den neuen disziplinarischen Massnahmen anfange? «Deren Sache, wir sind jedenfalls aus dem Schneider», liess der bestens gelaunte Staatssekretär Gschaftlhuber im internen Kreis bei Rehrücken Baden-Baden und Taittinger Comtes de Champagne verlautbaren. Mit einem aufmunternden «Wir alle müssen den Gürtel enger schnallen!» entzündete er sich eine Davidoff Escurio Gran Torpedo und verliess den Festsaal durch den Lieferantenausgang, vor dem sein Chauffeur geduldig im Mercedes-Maybach S 650 wartete.

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