Buch bestellenDie Wetterau Tapes

in der Schreibstube des Samuel Brüllhenne
Book on Demand. 2019.
ISBN 9783738647426

Vorwort des Herausgebers

Lieber Leser,

was Ihnen hier vorliegt, ist die einzige vollständige, von den Beteiligten kritisch durchgesehene und durch beide autorisierte Fassung eines ungewöhnlichen Interviews, das im Jahre 2019 geführt wurde: DR. LEANDER KARL V. WOLKENSTEIN – in Fachkreisen LKW genannt –, Feuilletonchef des in Langgöns bei Gieβen (D) episodisch erscheinenden «Hessischen Landboten», interviewt den Schweizer Autor JAN PETERS. Ersterer ist einerseits fiktiv, andererseits aber dennoch real existent.

Die meisten Deutschen denken bei Schweizer Literatur, wenn ihnen nicht gleich Dürrenmatt oder Frisch einfallen, an Heidi, den Kinderroman von Johanna Spyri aus dem Jahre 1880. Und wie man spätestens seit der ZDF-Serie jauchzt: Heidis Welt sind die Berge!

Doch in der Schweiz gibt es nicht nur Berge, sondern auch den Wahlschweizer Autor jp – wie wir ihn nennen dürfen. Er hat seinen Wohnsitz in Kaiseraugst im Kanton Aargau, und da beträgt die Höhe laut eigener Angabe nur 272 m über NN.

Zum Interview trafen wir uns in Hessen (D), und zwar in der Wetterau, die ihre Reize folgendermassen anpreist: «Die abwechslungsreichen Naturlandschaften der Wetterau erstrecken sich sanft eingebettet zwischen Taunus und Vogelsberg, in direkter Nachbarschaft zur Mainmetropole Frankfurt. Die Wetterau ist eine wahre Schatztruhe für Entdecker.»

Dort also sollte das Interview stattfinden. Ich war sehr gespannt auf dieses Gespräch, weil ich bei der Vorbereitung einen zwiespältigen Eindruck aus jps mittlerweile sieben Büchern gewonnen hatte:

  • Einerseits seine ernsthaften autobiographischen Darstellungen.
  • Andererseits fantastische, geradezu geniale Wortspielereien, die man noch nie sonst gelesen hatte und von denen man nie wusste, wie ernst oder ironisch sie gemeint waren.

Und alles durchsetzt mit historischen und politischen Anspielungen, deren man sich erst einmal selbst vergewissern musste, inwieweit sie zutrafen.

Diese Verbindung von historischem Wissen und offenkundiger Sprachgewalt beeindruckt schon als solche, wird aber immer wieder relativiert bis karikiert durch Widersprüche, die dem normalen Leser, der solche Gedankenakrobatik wohl gelegentlich mit grenzwertig betiteln würde, einiges an Durchhaltevermögen abverlangt. Darauf sollten Sie sich bei der folgenden Lektüre einstellen, denn ansonsten würden Sie verzweifeln. Das möchte ich aber auf keinen Fall. Ich möchte, dass Sie durchhalten und hinterher sagen: War mir ein Vergnügen, meine Herren!

 

Mit diesen Wünschen verbleibe ich als der Herausgeber der Wetterau Tapes

 

Ihr LKW

 

 

TEXTAUSZUG

«Ich beschränke mich bewusst auf Nischenmärkte. Das Massenpublikum, das sich bevorzugt bei YouTube, Facebook & Co. tummelt, ist nicht meine Zielgruppe. Krimis schreibe ich auch keine – ich lebe literarisch am liebsten in der skurrilen Ambiguität der von mir selbst geschaffenen Zwischenwelten, in denen ich mit dem grössten Vergnügen ambuliere; wenn es sein muss, dann eben auch allein. Und ich bin, was das Handwerkliche betrifft, unablässig am Werke, die Syntax der deutschen Sprache bis an ihre Grenzen auszudehnen», sagt Jan Peters.

«Und dann gibt’s natürlich noch all dem blühenden anarchistischen ‹Un›-Sinn, für den ich eine ausgeprägte Ader besitze und der an allen Ecken und Enden meiner Texte merklich durchschimmert. Im Grunde verbirgt sich dahinter neben der offensichtlichen Lust an jedweder Art von Possenreisserei eine individuelle Spielart von Notwehr – das seit meiner Kindheit und Jugend vorhandene Bestreben, die mir von den Erwachsenen in blutigstem Ernst angetragene Pflicht zur Pflichterfüllung zu unterminieren und/oder zu verweigern. Dies viel lieber mit Winkelzügen als in offenen Feldschlachten.»

Ein Beispiel dafür ist das von jp während seiner Zeit von Februar 1981 bis Juli 1983 im innovationsfördernden schleswig-holsteinischen Schuldienst entwickelte elaborierte System der «Schwarzen Didaktik», demgemäss der Autor der «Wetterau Tapes» zum Erstaunen und zur Freude der Schülerschaft im Land der Leuchttürme und Deiche unterrichtete. Theorie und Praxis dieses bemerkenswerten Lehrverfahrens, das bei der Schulaufsicht zu grimmiger Verbitterung führte und aufgrund dessen jp schliesslich die Weihen des Höheren Lehramtes an Gymnasien auf Lebenszeit verwehrt wurden, wird der Öffentlichkeit erstmals in den «Wetterau Tapes» methodisch-didaktisch feindifferenziert vorgestellt.

DIE WETTERAU TAPES
in der Schreibstube des Samuel Brüllhenne

REZENSIONEN

CAVE: Wer in Rubriken dieser Art nach gemachten Erfahrungen ausser «Fake News» und/oder «alternativen Fakten» nichts Seriöses erwartet, könnte an dieser Stelle eine angenehme Enttäuschung erleben: Im Gegensatz zur sonstigen Internetlandschaft, die mehr von Schutt und Geröll als von Solidität und Zuverlässigkeit gekennzeichnet ist, finden LeserInnen hier keine Ansammlung von getürkten Auftrags- oder Gefälligkeitsrezensionen, sondern ausschliesslich authentische, vom Autor der «Wetterau Tapes» weder bestellte noch bezahlte, noch auf irgendeine andere Weise veränderte oder manipulierte Originalbeiträge der Leserschaft.

PETERS!! Dein neues Buch ist abwechslungsreiche, wilde und wirre, flatterleichte und schwere Kost. Mehr und schnellere Szenenwechsel als in einem Tarantino-Streifen. Aber, verdammt nochmal, der van Gogh soll nicht malen können? Mindestens so gut wie der Flächentapezierer Rothko! Und was zum Teufel soll der «Vormärz» sein?

posted on Aug 21st 2019 by THE NAVIGATOR

Antwort jp: Als «Vormärz» wird die Zeit zwischen 1815 und der Märzrevolution 1848 bezeichnet. Viele Bürger waren von der Restauration im «Deutschen Bund» enttäuscht. Unter den Studenten breitete sich Unruhe aus, was zur Gründung von Burschenschaften führte (damals notabene progressive[!], demokratische Vereinigungen; siehe auch: «Wartburgfest 1817») und forderten die Gründung eines deutschen Nationalstaates mit Freiheits- und Grundrechten. Die Fürsten reagierten auf diese Bewegung mit Zensur, Bespitzelung und Repression.

Was der Autor seinem von der Leserschaft als extrem schwierig eingestuften Experimentaltext Samuel Brüllhenne in Form eines schillernden Leitmotivs mit auf den Weg gab: «You ain’t seen nothing, yet!», in den Wetterau Tapes setzt sich dies gradlinig fort. Allerdings mit weitaus mehr autobiographischer Bodenhaftung als beim ohne jedes Maβ durch Raum und Zeit jagenden Brüllhenne, den kein Geringerer als Gabriel van Helsing in den Ostalpen in Form eines finalen Rettungsschusses zur Strecke zu bringen versucht. Prallt dessen Pfeil an Brüllhenne als hohnlachendem Wiedergänger völlig wirkungslos ab?

Steppenwolf, 22.08.2019

Bücher von Jan Peters sind in jeder analogen Buchhandlung sowie bei einer unübersehbaren Zahl digitaler Book Shops erhältlich.