Augen auf bei der Berufswahl!

Augen auf bei der Berufswahl!

Wir leben in Zeiten zunehmender Verunsicherung. Dies zeigt sich nicht nur in der absehbaren Versenkung des traditionellen Parteiensystems durch die Wählerschaft, der Änderung überkommener Sozialstrukturen und unseres bisher üblichen Kommunikationsverhaltens, sondern auch und wahrlich nicht zuletzt durch die sich bedrohlich am Horizont abzeichnenden Umwälzungen im Arbeitsleben dank der Digitalisierung↑↑↑. Immer öfter werden wir deshalb von den zahlreichen jüngeren AbonnentInnen unseres Blogs angstvoll gefragt: «Welche Berufe haben denn heutzutage überhaupt noch eine Zukunft? Bitte helft uns, Euer Gnaden!»

Nimmt man jetzt auch noch das Zauberwort «Industrie 4.0» hinzu, dann wird guter Rat in der Tat teuer; und ob die virtuelle Bezahlung dieses Rates mittels →Kryptowährungen↑↑↑ und Blockchains↑↑↑ die Dinge übersichtlicher und einfacher macht, das bleibt abzuwarten. Nichtsdestotrotz gibt es bereits einige sich vage abzeichnende Trends, denen wir im Folgenden nachgehen wollen. Um eine Hierarchisierung zu vermeiden, die subjektiv beeinflusst wäre, gehen wir dabei strikt alphabetisch vor; zusätzlich haben wir die aufgeführten Berufssparten mit deutlichen Markierungen im Hinblick auf ihre Zukunftsfähigkeit versehen: ↑↓. Die Beleseneren unter unseren LeserInnen wird es dabei nicht verwundern, dass für aufstrebende Tendenz (= zukunftstauglich) und für absteigende Tendenz (= das wird nix mehr!) steht. ↑↓ bedeutet: «Keine Ahnung, kann was sein, kann aber auch ʼn Schuss in den Ofen werden.» – Ran an die Buletten, finden Sie’s selbst raus!

AnfängerIn↑↓: Wer diesen Weg einschlägt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind; und selbst wenn man sich bei Google und ähnlich smarten Firmen gleich vom ersten Tag an auf rosa Sofas lümmeln und mit den KollegInnen Tischfussball spielen darf, sollte man sich stets der Tatsache bewusst sein, dass zwar jeder den Marschallstab im Tornister trägt, aber auch an jedem 15. leicht mal der 1. sein kann – sowas geht nämlich zack, zack, Kameraden, und überhaupt nicht virtuell!

Beginner↑↓: Englisches Wort für →AnfängerIn. Im Rahmen der Globalisierung↑↑↑ ist es in englischsprachigen Firmen keinen Deut lustiger als in deutsch- oder sonst wie -sprachigen.

Bordsteinschwalbe↑↓: →Callgirl↑↓.

Callgirl↑↓: Verhüllend für →Nutte↑↓. Ein gediegener Beruf mit hohem Sozialprestige, der viel Freude machen kann und seine Frau ernährt; auch zukünftig. Im Zuge des grassierenden «#MeToo»-Wahnsinns, dessen Überschwappen auf die zusehends verweichlichten Männer nicht auszuschliessen ist, empfiehlt sich gleich bei Berufsantritt der Abschluss einer leistungsfähigen Haftpflichtversicherung. Ein zukünftiges Risiko bei der Ausübung dieses eigentlich sehr schönen Berufes könnte darin liegen, dass es zunehmend als spiessig angesehen werden könnte, einem klar einzugrenzenden →Geschlecht mit assoziierten Merkmalen anzugehören.

Commander↑↓: Dies ist eine Funktion im MI 6, dem britischen Geheimdienst. Einer der letzten Amtsinhaber war Commander Bond, James Bond. Da beim MI 6 alles geheim ist, sind weder über das Anforderungsprofil noch die Besoldungsgruppe Informationen verfügbar.

Corvettefahrer↑↓: Verhüllend für →Zuhälter↑↓. Ein gediegener Beruf mit mittlerem Sozialprestige, der viel Freude machen kann und seinen Mann ernährt; auch zukünftig. Im Zuge der grassierenden «#MeToo»-Neurasthenie der immer aufsässiger werdenden Kratzbürsten↓↓↓ (siehe auch Flintenweiber↓↓↓ bei Google) empfiehlt sich allerdings gleich bei Berufsantritt der Abschluss einer leistungsfähigen Rechtsschutzversicherung.

Digitalisierung↑↑↑: Die analoge Zahl 154 beispielsweise wird digitalisiert zu 10 01 10 10. Welche gesellschaftlichen Konsequenzen diese Transformation hat, können selbst wir noch nicht vollumfänglich abschätzen. Irgendwann wird alles digitalisiert sein, und da wird man dann wohl nur noch sagen können: «Gute Nacht, Marie 00 00 00 00!»

Endlosschleife↑↓↑: →Trickbetrüger.

Geschlecht: Wenn früher in Schwimmbädern Mädchen und Jungs unbekleidet duschten, konnte man bei genauerem Hinsehen feststellen – was jedoch strikt verboten war –, dass sie geringfügige anatomische Unterschiede aufwiesen. Warum das so war, konnte man sich damals noch nicht recht erklären, und es war streng untersagt, darüber öffentlich zu mutmassen. Heute im Zeitalter der Gender Studies ist das wieder genauso; allerdings aus anderen Gründen. Somit ist Geschlecht einer andauernden, starken Regression unterworfen. Bald werden lediglich Jungfernzeugung und Windbestäubung die letzten Chancen der Menschheit darstellen, noch einige Zeit auf Erden verweilen zu dürfen.

Influencerin↑↑↑: Hier sind wir nun endlich dort angekommen, wo die Zukunft stattfindet und alles, was der Homo oeconomicus jemals gelernt und ausgeübt hat, in höchster Vollendung harmonisch ineinander übergeht. Es ist dies die vollkommene Synthese von Eigen- und Gemeinnutz,[1] abgerundet um die höchstentwickelte Form sozialverträglichen und umweltbewussten Handelns. Wir sprechen hier nicht mehr von antiquierten Begriffen wie Angebot und Nachfrage, sondern von dem Erzeugen von Bedürfnissen,

  • die bisher noch keine/r hatte,
  • die auch nie eine/r haben wird,
  • die von Firmen befriedigt werden,
  • die keiner braucht und
  • die in Produkten und Dienstleistungen gipfeln,
  • deren einziger Sinn darin besteht zu zeigen,
  • dass ein auf solche Dinge zentriertes Leben sinnfreier nicht sein könnte.

Die allseits gelobte Sharing Economy gehört auch irgendwie dahin. Diese neuen Wirtschaftsprozesse laufen in der Art ab, dass eine medienaffine Influencerin – die man, wenn sie nicht aufgetakelt wie eine Schlachtfregatte herumliefe, überhaupt nicht als solche erkennen würde – am späten Nachmittag aufsteht, sich drei Stunden lang mit Produkten aufdonnert, die sie ständig vor die Smartphone-Kamera hält und dabei säuselt, dass die laktosefreie Milch im Kühlschrank sauer wird: «Dies ist die Grundierung meines Vertrauens; ich weiss gar nicht, was ich ohne diesen Nagellack meines Vertrauens machen würde; ein Leben VOR diesem mit den Fingerspitzen sanft zu applizierenden Shampoo ist mir nicht mehr vorstellbar; Bad Hair Days waren gestern: Igittigitt, wie schrecklich das doch war, Ihr Lieben!» Anschliessend fährt die behämmerte Tusse mit einem UBER-Taxi in ihren hippen Manhattan Loft, den sie mittels Airbnb kostengünstig und steuerfrei angemietet hat. Dort angekommen, teilt sie vor laufender Handykamera ihrer Follower Community von hirntoten Konsumjunkies mit, dass ihr Leben VOR der regelmässigen Einnahme von veganen bioaktiven Nahrungsergänzungsmitteln «vollscheisse» war… Wie wirst du wohl nach fünf Jahren spannender →Influencerin↑↑↑-Tätigkeit aussehen? Ohne die zentimeterdicke Grundierung deines Vertrauens, du digitaler Zombie, wird man dich glatt mit der Kreatur des Dr. Frankenstein verwechseln – bei der wir uns für diesen unpassenden Vergleich sofort entschuldigen möchten: «Nichts für ungut, Gevatter!»

Investmentbanker: →Trickbetrüger.

Kacktusse↑↓: 1.: Falscher Plural, falsche Rechtschreibung für hochwüchsige, stachlige Sukkulenten, die untätig in den Halbwüsten von Neu-Mexiko, Arizona und Nevada umeinanderstehen. Ihre ökologische Funktion ist weitgehend ungeklärt; gelegentlich gehen sie einer untertariflich bezahlten Nebenbeschäftigung als Dekorationselemente in schlechten Wild-West-Filmen nach. 2.: Vorsätzlich herabsetzende Bezeichnung für → Influencerin↑↑↑, mit der sich hysterisch kreischende → Influencerinen↑↑↑ in einer ersten Eskalationsstufe gegenseitig zu bezeichnen pflegen, bevor sie sich in einer zweiten Eskalationsstufe mit ihren «vollgeilen» angeklebten Fingernägeln ihre «vollgeil» angepinselten Augen auszukratzen versuchen.

Kryptowährungen↑↑↑: → Trickbetrüger.

Loddel↑↓: →Lude↑↓.

Lude↑↓: →Loddel↑↓.

Nutte↑↓: → Bordsteinschwalbe↑↓.

Pufflouis↑↓: →Investmentbanker.

Too big to fail: Auffangstelle für Geschäftsbanken, →Trickbetrüger, →Corvettefahrer↑↓, →Investmentbanker etc.

Trader: →Trickbetrüger.

Trickbetrüger: Dieser Beruf, der von jeher mit intensiven Sozialkontakten verbunden ist, hat eine rasante Entwicklung durchgemacht: vom halbseidenen Abzocker beim Hütchenspiel in der Fussgängerzone zum glattzüngigen UBS-Anlageberater und ähnlichen Schnapphähnen in Nadelstreifen. Das zugrundeliegende Prinzip ist dabei über die Jahrtausende unverändert geblieben: Einer blättert die Zechinen auf den Tisch des Hauses, der andere greift sie ab. Heute wird dieser Prozess durch den technologischen Fortschritt erheblich erleichtert (Beispiel: →Influencer↑↑↑ behaupten, im Himmel sei Jahrmarkt, die Follower kaufen umgehend wie gestört Achterbahnaktien), beschleunigt (Stichwort: Hi-Frequency Trading) und potenziert (ACHTUNG: →Endlosschleife: «Ramschhypotheken in hübsche Schachteln verpacken, von gekauften Agenturen triple-A raten lassen,… →too big to fail; rücke vor bis auf LOS, gehe zu: <Ramschhypotheken in hübsche …>; NEUSTART des Systems: <Ramschhypotheken in hübsche…>; NEUSTART des Systems… →too big to fail!!!»[2]) und gerade im Zuge von Globalisierung/Facebook/Darknet etc. eröffnen sich in diesem Berufsfeld ungeahnte Möglichkeiten in verschiedensten Sparten. Der Berufsberater Ihres Vertrauens bei Ihrer Arbeitsagentur (D)/Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (CH) berät Sie gern weiter, wenn Sie an diesem Sektor des Erwerbslebens Interesse zeigen. Besondere Voraussetzungen müssen Sie für eine Karriere als →Trickbetrüger nicht erfüllen, es genügt völlig, wenn Sie einfach dasjenige Wissen praktisch anwenden, das seit eh und je Bankkaufleuten während ihrer Lehrzeit vermittelt wird; auch →Investmentbanker.

Troll↑↑↑: Der Troll ist für die heutige Zivilisation das, was während des 2. Weltkriegs Dönitzʼ «Grauen Wölfe» im Nordatlantik für die alliierten Geleitzüge waren. Bei T. läuft der Krieg allerdings nicht unter Wasser, sondern undercover ab, geschützt durch die scheinbare Anonymität des world-wide Webs. Nachts hockt der sich ausschliesslich von Junk-Food und Energy Drinks ernährende T. vor seinem PC/Smartphone/Tablet und verfasst höhnisch kichernd Hate Posts. Gegen wen? Alle anderen! Sein Mittel ist die schiere Provokation. Sein natürlicher Lebensraum sind die Diskussionsforen, die er als Avatar zu torpedieren versucht. Darum nennt man T. auch «Foristen». Nicht zu verwechseln mit dem freundlichen Fleurop-Markenbotschafter, der den Blumenladen bei Ihnen um die Ecke hat. Gemäss Wikipedia, aus dem die T. den Hauptanteil ihrer Fake News beziehen bzw. gleich selbst herstellen, werden diese Nachtschattengewächse getrieben von Sadismus, Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie. Man könnte auch sagen, dass T. Wesen sind, die seinerzeit als Studienräte für Mathematik↓↓↓ und Physik unschuldige Gymnasiasten terrorisierten und reihenweise in den Selbstmord trieben. Früher, als man sich Bildung semesterlang mühselig in Bibliotheken, Vorlesungen und Seminaren erwerben musste und noch nicht alles bei Google mittels copy/paste abkupfern konnte, hätte man solche destruktiven Loser-Typen als «katilinarische Existenzen»[3] bezeichnet. Um die Wirksamkeit der T. richtig einzuordnen, sollte einem bewusst sein, dass heutzutage keine Fakten, sondern ausschliesslich Meinungen zählen; →Influencerin↑↑↑.

Vergölzen: →VergölzerIn.

VergölzerIn: Dies ist ein altehrwürdiger Beruf, der fast schon in Vergessenheit geraten ist,[4] nur vor dem Passauer Hauptbahnhof und an anderen abgelegenen Orten der Bundesrepublik kann man gelegentlich noch Repräsentanten dieses Broterwerbs antreffen – wenn sie nicht gerade vor der Polizei auf der Flucht sind. Der/die →VergölzerIn hat keine exorbitanten Kosten für seine Arbeitskleidung aufzubringen, Klamotten aus den Altkleidercontainern des Roten Kreuzes sowie ein vor Dreck starrender Schlapphut reichen völlig. Für den/die →VergölzerIn liegt das Geld auf der Strasse: Nachdem er nachts im Stadtpark Platte gemacht hat, setzt er sich morgens an von FussgängerInnen stark frequentierten Orten auf den mit einem Stück Pappe bedeckten Asphalt und stellt seinen versifften Filzhut so vor sich auf, dass alle Vorbeikommenden drübersteigen müssen. Sobald jemand eine Münze oder einen Hosenknopf in seinen Hut wirft, murmelt er im jammervollen Singsang eines Bettelmönchs, der direktemang aus Lourdes  kommt: «Vergölz Gott!» Das →Vergölzen ist kein recht eigentlicher Lehrberuf, erfordert aber ein gerüttelt Mass an sozialer Intelligenz, um Bemerkungen wie «Eure Durchlaucht halten sich wohl zu vornehm fürs Arbeiten, wa?» – «Aber nichʼ gleich alles durche Kehle jagen, alter Suffkopp!» und andere vorsätzliche Grobheiten wegstecken zu können. Wer auf gesellschaftliche Anerkennung aus ist, sollte eine Tätigkeit als →VergölzerIn besser meiden, sondern sein Glück eher als →Influencerin↑↑↑, Escort Girl/Sexualtherapeutin↑↑↑, Bordsteinschwalbe↑↓ bzw. →Pufflouis↑↓ oder →Investmentbankerversuchen. Eine Ausnahme bilden diejenigen →VergölzerInnen, denen ein steiler sozialer Aufstieg innerhalb ihrer Berufsgruppe gelungen ist. Diese Karrieristen erkennt man daran, dass sie auf dem Marktplatz von Altötting sitzen, keine versifften Filzhüte vor sich liegen haben, sondern als Strassenklingelbeutel den grünen Stopselhut mit Spielhahnfeder benutzen, prachtvolle Kopfbedeckung eines Fähnrichs der königlich bayrischen Gebirgsschützenkompanie.

Zuhälter↑↓: →Corvettefahrer↑↓.

Zukunft↑↑↑: Lebensbereich, den bislang niemand kennt.

Zukunftsbereich↑↑↑: →Zukunft↑↑↑.

FAZIT:

Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Auflistung eine unvollständige bleiben muss, die mehr oder weniger willkürlich erfolgte. Wir hoffen dennoch, der verehrten Leserschaft einige Anregungen gegeben zu haben, die sie motivieren, sich selbst auch mal ein paar Gedanken über dieses Thema zu machen, das je brisanter wird, desto näher die →Zukunft↑↑↑ rückt.

[1] Wir wollen in diesem Zusammenhang nicht der naheliegenden Versuchung erliegen, Adam Smith’ «Trickle-down-Theorie» (auch als «unsichtbare Hand des Marktes» bezeichnet, die es schon richten wird) in Atome zu zerfetzen. Von dieser Phantasmagorie salbadern Neoliberale immer dann, wenn das Prekariat Anzeichen von Insubordination zeigt und aus dem Ruder zu laufen droht.

[2] Eine hübsche Variante dieses faszinierenden Gesellschaftsspiels ist das Cum-Ex-System, das im Grunde denselben einfachen Regeln wie alle Betrügereien (→Investmentbanker) dieser Art folgt: «Private sahnen ab, der Steuerzahler (re)finanziert die Betrüger.»

[3] Otto Fürst v. Bismarck-Schönhausen am 30. September 1862 im deutschen Abgeordnetenhaus.

[4] Erst- und letztmals in der Literatur erwähnt wurde das Vergölzen in den frühen 1970er-Jahren in Bärmeier & Nikels PARDON, der Mutter aller deutschen Satiremagazine.

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