‹The show must go on› – jp auf der Buchmesse Frankfurt 2021

‹The show must go on› – jp auf der Buchmesse Frankfurt 2021

Während man sich in Fach- und sonstigen Kreisen lange Zeit uneins darüber gewesen war, ob man eine normale Buchmesse oder eine im Corona-Modus abziehen wolle, setzte Jan Peters, Schweizer Kultautor und NEBELSPALTER-Satiriker a. D., am 21. Oktober 2021, 20:00 Uhr, in Hörsaal V auf dem alten Bockenheimer Campus innovative Akzente im Umgang mit Lesern, Rezensent/Innen und sonstigen imaginierten Kulturträge*Rinnen.

Monsignore Gaudenz Kneppen, Apostolischer Nuntius und Fachleiter Germanistik beim ‹Osservatore Romano›, der vom Messemanagement zum Moderator des Abends auserkoren worden war, hiess die nach und nach im Hörsaal V auf dem alten Bockenheimer Campus eintrudelnde Zuhörerschaft mit einem von Herzen kommenden «Grüezi miteinand‘!» willkommen.

Nachdem er die Segenswünsche des Heiligen Vaters zu Rom überbracht und eine Gedenkminute für die werten Verblichenen eingeschoben hatte, zog er sich kurzfristig in den nächstgelegenen Beichtstuhl zurück, kippte sich dort eilends ein Viertele Messwein hinter die Binde und eröffnete anschliessend mit einem monotonen Singsang «Gegrüsset seist Du Maria voll der Gnade (…) Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetze und in der Stunde unseres Todes (…)» die aussergewöhnliche Talkrunde in Hörsaal V des alten Bockenheimer Campus, deren friedlicher Verlauf einen wohltuenden Kontrast zum tumultuösen Marketingklamauk der übrigen Veranstaltungen im Umfeld der Frankfurter Buchmesse bildete.

Bevor es ans Eingemachte ging, wies Msgr. Kneppen expressis verbis darauf hin, dass man sich im Hörsaal V des alten Bockenheimer Campus auf wahrhaft geschichtsträchtigem Boden befinde: «Schon mal was von der Adorno-Ampel gehört, GOLZ?», wandte sich der Himmelskomiker mit süsslichem Lächeln ans Publikum und deutete mit seinem massiv goldenen Kruzifix zielsicher auf den in der 4. Reihe von vorn kauernden FAZ-Büroboten Dr. Golz, der, nachdem er vergeblich versucht hatte, sich wegzuducken, stotternd zu erklären begann, dass er als eingefleischter Radfahrer eigentlich nie grösser auf Verkehrszeichen achte, von denen es seiner Meinung nach in Frankfurt ohnehin zu viele gebe; den in Hörsaal V ebenfalls anwesenden städtischen Verkehrsdezernenten Radi Radenkovic wird’s gefreut haben…

Der Gottesdiener erstarrte und aufgrund inquisitorischer Erwägungen blieb dem apostolischen Gesandten nichts anderes übrig, als ‹Störfaktor Nr. 1›, wie er Dr. Golz treffsicher einzustufen wusste, mit einem keinerlei Widerspruch duldenden «Vade retro, Satanas!» des Hörsaals V zu verweisen – das Publikum, das diese Geste intuitiv richtig zu beurteilen wusste, bedankte sich mit spontan aufbrandendem Applaus beim resoluten Veranstaltungsleiter für den erfolgreich durchgeführten Exorzismus, während der gebannte Antichrist «Mir saan mit ’m Radl do» singend Hörsaal V auf dem alten Bockenheimer Campus verliess.

Dann wandten sich der Pfarrherr sichtlich erleichtert dem erfolgreichen Schweizer Schriftsteller Jan Peters zu: «So, mein Bester, jetzt rauchen wir ’ne Chester. Theodor Wiesenfeld Adorno meinte einmal, dass er sich Auschwitz eigentlich nie in letzter Konsequenz habe vorstellen können bzw. hätte, bevor er Celans ‹Todesfuge› gelesen haben wolle bzw. hätte. Was sagen Sie aus Ihrer exponierten Position als Schweizer Staatsbürger dazu?»

Sollte Gaudenz K. nun gemeint haben, den erfolgsverwöhnten Schweizer Autor des kürzlich in zweiter Auflage erschienenen anarchistischen Standardwerkes ‹Leben und Wirken des Samuel Brüllhenne›, das bei zahlreichen Adepten unbestrittenen Kultstatus besitzt, mit dämlichen Fangfragen bezüglich des Verbleibs von KZ-Gold in eidgenössischen Kassenschränken unter der Zürcher Bahnhofstrasse aufs Glatteis führen zu können, dann hatte er allerdings die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Wer Jan Peters in Verlegenheit bringen will, der muss schon deutlich vor der Frühmesse aufstehen, Hochwürden!

Der Schweizer Bestsellerautor, der mit dem Blockbuster ‹Die Wetterau Tapes – in der Schreibstube des Samuel Brüllhenne› kürzlich erneut einen Volltreffer landete, sprang auf und mit einem deftigen «Schwätzen Sie doch nicht so saublöd daher, Kneppen; ich geh‘ mal rüber zum ‹Sudlerwirt›, der hat den besten Leberkäs‘ in town!» raffte er seine Tagungsunterlagen flüchtig zusammen und verliess, leise ‹Ol‘ Man River› vor sich hin summend, Hörsaal V auf dem alten Bockenheimer Campus.

Draussen auf dem Gang hörte er noch, wie Feldkaplan Kneppen – in einem verzweifelten Versuch, wenigstens noch so etwas wie Restdisziplin zu retten – «Alles hört auf mein Kommando!» brüllte. Was das erboste Publikum mit einem ebenfalls gebrüllten «Lieber Türk’ als Pfaffbeantwortete.

Damit endet unsere diesjährige Berichterstattung von der Buchmesse in Frankfurt am Main.

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